Entspannungsmusik
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1. Definition Entspannungsmusik
Entspannungsmusik dient zum einen als Oberbegriff für Musik, die zur Entspannung angehört wird, zum anderen ist Entspannungsmusik Musik, die nach speziellen Vorgaben zum Entspannen im therepeutischen, privaten, oder Wellness-Bereich produziert wurde. Während häufig auch Meditationsmusik, Yoga-Musik, Reiki-Musik und Tai-Chi Musik als Entspannungsmusik genutzt wird und andersherum, weisen diese Musikstile teilweise ganz unterschiedliche Merkmale auf, die nicht in jeder Hinsicht kompatibel sind.
2. Geschichte der Entspannungsmusik
Musik hatte schon immer eine Wirkung auf den Menschen. Bereits bei Naturvölkern kam der Unheil abwehrenden, heilenden und magischen Kraft von Musik eine große Bedeutung zu. Sie ist im Alten Testament erwähnt bei der Heilung Sauls durch Davids Spiel auf dem Kinnor (1 Sam 16,14 ff. LUT) und in der griechischen Antike als Kathartik, d. h. Reinigung der Seele.
Es gab immer Menschen, denen die Wirkung von Musik bewußter war als anderen und die sie gezielt einzusetzen wußten. Es gab Schamen, die das geheime Wissen der Musik nur an ihre Nachfolger weitergaben. Im Mittelalter forschten christliche Mönche an bewußtseinserweiternden Gesängen. Die Kirche ließ Musiken komponieren, um Emfindungen in den Gläubigen im Gottesdienst hervorzurufen und heute wird die Wirkung von Musik unter anderem von der Werbung, in Kaufhäusern, oder von Filmproduzenten in der Filmmusik genutzt.
In der Neuzeit fand dies zunehmend Bestätigung und Nachweise durch wissenschaftliche Studien.
Auch die Idee, Musik zur Entspannung einzusetzen ist nicht neu. Komponisten wie Bach, Mozart oder Chopin waren sich der entspannenden Wirkung einiger ihrer Stücke bewußt. Es ist anzunehmen, dass auch damals manches Stück zur Entspannung geschrieben wurde, allerdings nicht unter der heutige Vorstellung von Entspannung, sondern eher im Sinne einer religiöser/meditativen Ruhe oder Zerstreuung.
Die allgemeine Nachfrage nach spezieller Entspannungsmusik entstand mit dem aufkommenden Bewußtsein über die schädliche Wirkung von andauernder Anspannung und Stress und dem erlebten Unvermögen vieler Menschen, im Alltag eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden.
3. Entspannungsmusik in der Praxis
3.1. Was macht gute Entspannungsmusik aus?
Die erwünschte Wirkung von Entspannungsmusik ist eine Verringerung körperlicher und geistiger Anspannung oder Erregung und als folge der Entspannung das Erleben von Gelassenheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden.
Allerdings werden nicht alle als Entspannungsmusik bezeichneten Produktionen diesem Anspruch gerecht.
3.2. Wann ist Entspannungsmusik entspannend?
Es gibt einige wissenschaftlich erforschte Zusammenhänge, zwischen bestimmten musikalischen Elementen und ihrer Entspannungswirkung, die sich auch in viele erfolgreichen Entspannungsmusik-Produktionen wiederfinden lassen. Dabei muß unterschieden werden zwischen Merkmalen, die generell entspannend wirken und Merkmale, die an kulturelle Prägung und persönlichem Geschmack (Konditionierung oder Sozialisierung) gebunden sind.
3.3. Merkmale für Entspannungsmusik
3.3.1. Allgemeine Merkmale für Entspannungsmusik
Unabhängig von kultureller Prägung und persönlichem Geschmack wirkt Musik mit folgende Merkmale auf Menschen entspannend:
- Lautstärke: leise (Laute Geräusche gelten als mögliche Bedrohung, versetzen den Körper in Alarmzustand)
- Tempo: langsames Tempo, unter 72 Schlägen pro Minute (Der Ruhepuls des Menschen liegt zwischen 60 und 72 Schlägen pro Minute.)
- Harmonik: überwiegend Konsonanzen
- Rhythmik: nicht hart, sondern weich und schwebend
- Dynamik: wenig dynamisch
- fließend
- legato
- keine hohen, schrillen Klänge
- echte Musiker stärker als Computer generierte Musik
Bei den meisten Menschen, wirkt Musik, die von echten Musikern aufgenommen wurde stärker als Musik, die nur nach entsprechenden medizinischen Vorgaben am Computer generiert wurde.
(siehe unten)
Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass akustische Instrumente eine stärkere Entspannungswirkung entfalten als elektronische, oder elektronisch nachgebildete.
In der Musiktherapie hat sich gezeigt, dass der Therapieerfolg von live-gespielter Musik den von auf CD wiedergegebener Musik noch übertrifft.
3.3.2. Persönliche Unterschiede bei Entspannungsmusik
Bei folgenden Merkmale hängt die Entspannung mit der kulturellen Prägung und dem persönlichen Geschmack zusammen, wobei eine Musik eher entspannt, wenn sie dem Gewohnten entspricht, oder mit etwas angenehmem assoziiert werden kann:
- Tongeschlecht (Dur oder Moll)
- Ton-Skalen
- Musikrichtung
3.3.3. Ungeeignet für Entspannungsmusik
- jegliche Musik in hoher Lautstärke
- plötzliche Wendungen
- harte, starke Rhythmik
- menschliche Stimmen, wenn sie Text (egal in welcher Sprache) enthalten, weil sie Gehirnaktivität anregen
3.3.4. Ausnahmen
Eine Ausnahme besteht, wenn eine Komponente der Musik aufgrund von früheren Erfahrungen (Konditionierungen) eine Abwehrreaktion im Körper hervorruft.
Ein Mensch mit einem traumatisierenden Erlebnis, z.B. am Strand, der die Möven kreischen gehört hat, als er am Strand Opfer einer Gewalttat wurde, wird sich bei dem klang kreischender Möven nicht entspannen können, egal wie der Rest der Musik dazu klingt.
So wie Melodien bestimmte Erinnerungen wachrufen können, bringen sie auch die entsprechenden Gefühle. Dann kann das perfekte Entspannungslied jemanden mit einer kurzen Melodiefloskel an das Lied erinnern, das er bei der schweren Übelkeit im Vollrausch auf einer Party gehört hat, oder ein schnelles Lied kann an den Traumurlaub erinnern und sofort entspannen und glücklich machen, ganz unabhängig der restlichen musikalischen Komponenten.
4. Wie entspannt Entspannungsmusik?
4.1. Der Rhythmus der Entspannungsmusik
Am deutlichsten und am besten erforscht ist die Entspannungswirkung des Rhythmus der Musik. Dies ist leicht nachvollziehbar. Vielen Menschen kennen heute die energetisierende Wirkung von schnellen oft harten Rhythmen, von Musik, die in die Beine geht oder von House- oder Techno-Musik. Auch die Tradition der Kriegstrommeln der Indianer sind ein Beispiel, wie Rhythmen den menschlichen Organismus beeinflussen. Bei der Entspannungsmusik wird das gleiche Prinzip genutzt, nur mit einem anderen Rhythmus.
Unser Leben und alle Körperfunktionen werden durch Rhythmen bestimmt (Atemrhythmus, Herzrhythmus, Schlaf-Wach-Rhythmus, Hirnwellen). Durch die Chronomedizin (Forschung, die sich mit den biologischen Rhythmen des Organismus beschäftigt) ist bekannt, dass Krankheiten häufig mit Störung der natürlichen Rhythmen einhergehen. Ein Organismus ist um so gesünder und funktioniert ökonomischer, je mehr es ihm gelingt, den natürlichen Rhythmen zu folgen.
Beim EEG, der Untersuchung der elektrischen Aktivität im Gehirn, deutet z. B. ein sehr asynchrones Muster aller Frequenzbänder auf starke emotionale Belastung oder Verlust der willentlichen Kontrolle hin, während vermehrt langsame Wellen bei gleichzeitig wenigen schnellen Wellen auf einen Schlaf- oder einen hinweisen. Professor Dr. Gunther Hildebrandt bezeichnet den menschlichen Organismus als "Musikphysiologie". Musik, die sich an den natürlichen Rhythmen orientiert, wirkt auf das vegetative Nervensystem und bringt dadurch das Gehirn vom Beta-Zustand (Wellenfrequenz während konzentriertem Wachsein) in den Alpha-Zustand (Entspannungszustand).
4.2. Der Puls der Entspannungsmusik
Der Ruhepuls des durchschnittlichen Menschen liegt bei 60-72 Schlägen pro Minute. (Bei trainierten Ausdauersportlern kann er auch bei 35 liegen.)
Hört ein angespannter Mensch mit höherem Puls nun eine Entspannungsmusik mit entsprechend langsamen Puls reagiert der Körper automatisch und der Herzschlag sinkt und gleicht sich dem Puls der Musik an (Resonanzprinzip). Dafür reicht es schon wenn der Betreffende der Musik ausgesetzt ist. Er muß nicht aktiv zuhören. Dieser Effekt ist auch unabhängig vom musikalischen Verständnis eines Menschen.
4.3. Emotionaler Ausdruck in der Entspannungsmusik
Ein weitere Effekt ist die Wirkung des musikalisch emotionalen Ausdrucks durch den Musiker.
Auch Menschen, die sich selbst als unmusikalisch bezeichnen, spüren den Unterschied, ob ein Mensch ein Stück gespielt hat, oder ein Computer. Der Zuhörer wird vom Musiker in seine Emotionswelt mitgenommen. Bei Entspannungsmusik spürt der Hörende die Entspannung des Vortragenden und folgt ihm gefühlsmäßig in diese Entspannung. Folglich wirkt die Entspannungsmusik umso besser, je entspannter der Musiker die Musik vorträgt.
4.4. Auswirkungen von Entspannungsmusik auf den Körper
Folgende Anzeichen für Entspannung konnten bei Studien aus dem Bereich Musikwissenschaft, Musiktherapie und Medizin mit entsprechender Entspannungsmusik nachgewiesen werden:
- vermehrte Ausschüttung des Hormons Oxytocin
- Senkung des Stress-Hormonspiegels
- entspannter Muskeltonus
- Senkung der Herzfrequenz und des Blutdrucks
- Harmonisierung des Atemrhythmus
- ruhigerer Atemfluß
- Reduzierung des Sauerstoffverbrauchs
- Reduzierung des Stoffwechsels
- Senkung der Schmerzempfindlichkeit
5. Anwendungsgebiete
5.1. Entspannungsmusik in der Musiktherapie
bei
- negativem Stress und Überlastung
- Schlaflosigkeit
- körperlichen Verspannungen
- Atembeschwerden
- Schmerz- und Angstzuständen
- Rückzug und Depression
- Schwierigkeiten bei der Krankheitsverarbeitung
5.2. Entspannungsmusik in der Medizin
wird eingesetzt
- zur Angstreduktion und Schmerzbekämpfung
- in einer Praxis beruhigt Patienten
in der Zahnmedizin:
- speziell im Warteraum und bei der Behandlung beim Zahnarzt
- die Schmerzen verringerten sich
- die Reizschwelle konnte erhöht werden
- Patienten entspannter und kooperationsbereiter
Operationen:
vorher
- weniger Beruhigungsmittel vor Operationen
- geringere Angst vor Operationen
nachher
- sank der Medikamentenverbrauch
- die Aufwachzeiten waren langsamer und natürlicher
6. Links:
http://www.netdoktor.de/News/Hirnforschung-Musik-mit-per-1134154.html
http://www.allesgelingt.de/blog/welche_musik_hilft_beim_lesen_und_lernen.html
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